Wie viel Meinungsfreiheit gibt es wirklich?

29 Apr

…schon das Grundgesetz Artikel 5 erlaubt jedem von uns seine Meinung frei zu äußern. Doch wie frei sind wir wirklich, in unserer Meinung? Diese Frage stelle ich mir seit gestern verstärkt. Eine Meinung haben ist das eine aber eine Meinung zu veröffentlichen…

Gerade Blogs bieten uns die Möglichkeit schnell und einfach Gedanken und Meinungen zu veröffentlichen. Solange es um den Urlaub oder andere triviale Dinge geht, gestaltet sich dies ja recht simpel. Man schreibt ohne große Überlegungen darauf los. Unternehmen beispielsweise gehen da (oder sollten es zumindest) sehr überlegt an ihre öffentlichkeitswirksame Außendarstellung. Es wird an Kommunikationskonzepten gebastelt, umfassende Analysen werden angestellt und Risiken abgeschätzt u.v.m.. Doch wie schätze ich die Risiken in einem vergleichsweise unerforschten Medium wie dem Internet ab? Deshalb scheuen sich viele Unternehmen auch noch Web 2.0 Medien in ihrer Kommunikationsstrategie als Instrument mit einzubeziehen. Die Dialogorientierung von Blogs bietet viel Potenzial – ob nun für private oder unternehmerische Zwecke. Doch was ist, wenn der dynamische Prozess der öffentlichen Onlinekommunikation nicht so verläuft wie man es sich vorstellt? Wir erinnern uns immer noch mit einem Schmunzeln an den Jamba-Skandal. Jamba fand dies wohl eher nicht lustig. Die Geschichte liest sich aber wirklich ausgezeichnet und ich kann heute noch darüber lachen … siehe hier. Bei solchen Eskapaden kann schon mal das Image leiden und dies hat nicht zuletzt auch finanzielle Auswirkungen für Unternehmen.

Eigentlich wollte ich ja auf die Meinungsfreiheit im privaten Bereich hinaus. Da wir ja keine Unternehmen sind, kann uns ja nix passieren. Von wegen Image und so…  Aber ganz so einfach ist das aus meiner Sicht nicht. Auch wir sind Teil einer Gesellschaft und können uns nicht je nach Belieben von allem abgrenzen. Schon gar nicht, wenn es um Kommunikation in der Öffentlichkeit geht. Jeder kann lesen was ich denke und hat (wie Artikel 5 schon sagt) dann auch das Recht sich eine Meinung zu bilden. Das ist ja auch das Prinzip von Weblogs. Aber wie viel und was kann ich von mir preisgeben und werde ich jemals über alle Konsequenzen meines kommunikativen Handelns informiert sein? Der Grund warum mich das Thema so beschäftigt ist ganz einfach: Gestern habe ich einen Beitrag gelesen, der mich zum Schreiben bewegt hat. Der Beitrag beschäftigt sich mit einem Thema, welches auch mit meinem beruflichen Umfeld in Verbindung steht.  Es geht um den Bologna-Prozess und einen Theologieprofessor der seinen Lehrstuhl  wegen nennen wir es mal unüberbrückbarer Differenzen in Bezug auf einen Philosophiewechsel räumte. Den Artikel hatte ich in 30 Minuten fertig und wollte ihn nur noch einmal kurz quer lesen. Doch irgendwie bekam ich Hemmungen. Was für Konsequenzen könnte dies z.B. innerhalb meines Jobs haben? Kann auch ich einen Imageschaden bekommen und wenn ja, was sind die Auswirkungen? Sicher, es ist vollkommen in Ordnung seine Meinung zu sagen aber ist es auch immer klug und hilfreich diese jedem mitzuteilen? Wie viel Stellung darf man beziehen, ohne dass es schaden kann?  Hemmt ein zu reflektiertes Kommunikationsverhalten nicht die ganze Kommunikation? Diese Fragen habe ich natürlich nicht erst seit diesem Artikel. Teilweise kann man die Antwort, welche ich mir gegeben habe, auch daran erkennen, dass ich ein Blog schreibe. Dies tue ich aber mit Bedacht. Schade eigentlich, denn ein wenig geht er verloren, der schöne Geschmack der Web 2.0 Freiheit…

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5 Antworten to “Wie viel Meinungsfreiheit gibt es wirklich?”

  1. Kathiza April 29, 2009 um 10:06 pm #

    Sehr sehr spannendes Thema und in gewisser Weise nahe an dem dran, worüber ich meine Magisterarbeit schreiben werde. Interessant…
    Liebe Grüße,
    Kathiza

  2. nambulous Juni 1, 2009 um 10:46 pm #

    Dies tue ich aber mit Bedacht. Schade eigentlich, denn ein wenig geht er verloren, der schöne Geschmack der Web 2.0 Freiheit…

    Deswegen gibt es ja die Möglichkeit anonym zu bloggen. Ohne jede Verbindung zur eigenen Person muss man sich dann weniger Gedanken darüber machen, eventuell durch legitime Meinungen Repressalien im „echten Leben“ ausgesetzt zu werden.
    Der Unterschied ist ja nur, dass man in manchen Ländern anonym bloggen MUSS und das man (etwa in Europa) anonym bloggen KANN.

  3. Stefanie Juni 2, 2009 um 12:48 pm #

    @ nambolus: Richtig, anonym zu bloggen kann da helfen. Nun ist es nicht immer zielführend für jeden, sich anonym im Blog zu zeigen. Manchmal soll ja auch Bekanntheit erzielt werden und die Identifizierbarkeit zur Glaubwürdigkeit oder zum Vertrauensaufbau führen. Natürlich ist Deine Differenzierung von man KANN und man MUSS richtig. Doch potenziell unerwünschte Konsequenzen bei „Nichtanonymität“ sind per se nicht auszuschließen. Tja und die Meinungsfreiheit mit Tarnkappe genießen, macht mich auch nicht glücklicher und widerspricht irgendwie dem Grundgedanken des Gesetzes.

  4. nambulous Juni 2, 2009 um 4:19 pm #

    Ich versuche mir dadurch Glaubwürdigkeit zu verschaffen, dass ich meine Aussagen so oft wie möglich mit (hoffentlich) soliden Quellen belege. Macht man das über eine ganze Weile hinweg, sollte ja alles in Butter sein bzw. sollte es nach vielen, sachlich korrekten Beiträgen immer noch Zweifler geben, ist dieses Publikum sowieso nicht zu erreichen. Das stört mich dann nicht.
    Bekanntheit zu erzielen interessiert mich glücklicherweise kaum. Mir geht es nur darum loszuwerden was mir gerade auf der Zunge liegt. Irgendwie hat doch sonst keiner soviel Plan wie man selbst, oder? 😛

  5. itodito Juli 13, 2010 um 8:52 pm #

    Du sprichst mir aus der Seele… einmal ins Internet ausgesetzte Informationen sind „weg“ und nicht mehr unter Kontrolle. Was für eunen Schaden könnte das haben?

    Stellen wir die Farge doch einfach mal David Hasselhoff, als er im Suff versuchte einen Burger zu verspeisen ud die Tochter das Video auf Youtube postete?

    Oder die Münsteraner Combo „Uwu Lena“ die per Youtube mit einem Kellersong aus Versehen die Charts aufrollte? (Stand: Kurz nach der WM 2010)

    Fragen wir doch einfach Paris Hilton, die mit einem unterbelichtetem Film (Achtung,doppeldeutig) plötzlich zu zweifelhaftem Ruhm gelangte?

    Man könnte die Liste noch weiterführen….

    Also merke:
    Ist der Ruf erst ruiniert…

    a) lebt man meistens ungeniert
    b) wird gesellschaftlich krepiert
    c) kommt einer, der Dich massakriert

    Sende SCHWACHSINN an 600x die 2 und warte was passiert.

    In diesem Sinne

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