Glaube versetzt Berge aber beeinflusst er auch die Hochschulentwicklung?

30 Apr

Marius Reiser ist ein Theologieprofessor an der Universität in Mainz. Professor Reiser hat beschlossen seinen Lehrstuhl zu verlassen, da er sich gegen die Ökonomisierung des Studiums wehren möchte. Gründe liegen vor allem in der Unzufriedenheit mit dem Bologna-Prozess und in schlechten Lernbedingungen sowie im Wandel von einer einst freien akademischen Einrichtung zu einem stark reglementierten und straff durchorganisierte Massenkonzept…ausführlich dazu in der FAZ. Professor Reiser möchte mit seinem Fortgang ein Zeichen setzen. Ob dieses Zeichen allerdings wahrgenommen wird, ist fraglich.

Zu mächtig erscheinen die Argumente für Bologna. Aus wirtschaftlicher Sicht klingt dieses Konzept sicherlich recht passabel oder sagen wir mal rentabel. Für akkreditierte Studiengänge und somit für eine qualitativ bewertbare und vergleichbare Ausbildung zu sorgen macht doch Sinn. Wollen wir auch nicht vergessen, dass so ein Bildungssystem ne Menge Geld verschluckt. Tja und wenn die Hochschulen dann in den Wettbewerb treten und sich mit tollen Angeboten um die Studenten reißen, die Studenten dafür dann auch noch Geld zahlen, klingt das doch wie eine runde Sache. Vergessen wir nicht, dass im Zeitalter der Globalisierung ein allseits anerkannter Abschluss nur förderlich sein kann.

Aber halt: Was ist mit der Vielfalt, mit der Zeit und der Freiheit, die uns zu Forschungshöchstleistungen bringen sollen? Wo ist in diesen durchgestylten und nach Effizienz strebenden Human-Resource-Produktionsfabriken noch Platz für freie Forschung? Überfrachtete Stellen, sich gegenseitig behindernde Aufgabengebiete und eine ungewisse Zukunft komplettieren das Bild. Professoren auf der Jagd nach Drittmitteln  sowie eine didaktisch erfolgreiche Lehre abliefern und so ganz nebenbei werden noch Konzepte für die Neuausrichtung des Unternehmens Universität erarbeitet, um auch das beste Angebot für die Studenten vorzulegen, denn diese werden ja zunehmend ein umkämpfter Markt.

Es stellt sich mir die Frage, ob bei so viel Unternehmertum noch Zeit für Inhalte bleibt? Rationalisierungen sind sicherlich nicht immer schlecht und benötigen etwas Zeit, um Effekte sichtbar werden zu lassen. Doch was sind mögliche Effekte? Werden wir dann zukünftig auf Studiengänge, die weniger einträglich aber dringend benötigt sind verzichten müssen, weil ihre Rentabilitätskennzahl nicht mehr stimmt? Werden Studenten dann nur noch das studieren, was ihnen zukünftig gewinnbringend erscheint? Das würde ja dann auch zum Trend unserer sozialen Situation passen. Sozialleistungen werden in fast allen Bereichen gekürzt, denn der Staat kann dieses „Wohlstandssystem“ auf Dauer nicht finanzieren. Bringen wir uns damit vielleicht um das wichtigste Kapital, was Deutschland hat: Unsere allseits gelobten Entwicklungserfolge. Eine Lösung habe ich derzeit auch noch nicht im Kopf. Ich glaube, dass wir an Bologna oder wie auch immer wir das Kind nennen wollen, nicht vorbei kommen. Ich bin aber auch  überzeugt, dass es hier noch Verbesserungspotenzial gibt. Hochschulen sind keine Unternehmen und sollen es auch bitte nicht werden. Um eine erfolgreiche Hochschule zu sein, muss der Output stimmen. Der Output ist nicht nur das Ergebnis der GuV sondern die gut ausgebildeten und selbstständig denkenden Absolventen, welche Zukunft gestalten. Professoren sollen auch keine Manager des Unternehmens Hochschule werden.  Genau sie sind es, die in Studenten ein Feuer entfachen können, weil sie selbst für ihr Fach brennen und dies auch leben können.

Ich bin sehr dankbar, dass ich solche Bedingungen zu meiner Studienzeit noch vorgefunden habe und froh darüber, dass einige mit viel zusätzlichem Aufwand dieses Ideal noch heute verfolgen. Ich kann Professor Reiser durchaus verstehen. Doch hilft es weiter, wenn wir das Spielfeld verlassen und einfach nicht mehr mitspielen? Ist es schon so weit, dass wir keine anderen aktiv gestaltenden Möglichkeiten haben und uns mit mehr oder weniger stillem Protest zur Wehr setzen müssen? Ein Freund sagte mir mal vor vielen Jahren, wenn du unzufrieden mit deiner Umwelt oder deiner Situation bist, dann fang bei dir mit der Veränderung an und gestalte deine Situation. Dies ist sicher nicht in jedem Fall möglich, doch einen Versuch ist es immer Wert.

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