Urlaub – die schönste Zeit des Jahres und dann kam alles anders …

1 Aug

Flugzeug Airline Sky

Vor gut 10 Tagen war es endlich soweit, der Urlaub sollte beginnen. Wie immer war ich todmüde, da wir bereits gegen 6 Uhr früh am Flughafen sein sollten. Aber ok, im Urlaub kann ich mich ja dann ausschlafen. Ursprünglich wollten wir eigentlich nach Kroatien und dort durch das Land reisen. Leider hat das nicht ganz so geklappt, da man in der Hauptsaison kaum ein Bett für nur ein bis zwei Tage an einem Ort bekommt und ich zelten nicht mehr so als erste Wahl sehe. Nun gut, dann haben wir ein total romantisches Hotel an der Südküste in Antalya aufgetan. Kann man auch machen, dachte ich. Klar, Antalya ist ne ziemliche Touristenhochburg, aber mit einem Mietwagen kann man da bestimmt schnell raus und auf eigene Faust das Land erkunden.

Angekommen in Antalya hat es mich fast erschlagen. Die haben eine dermaßen hohe Luftfeuchtigkeit bei 40°C Temperatur und knallender Sonne. Überrascht hat mich das weniger, da man das ja vorher lesen konnte. Aber es schnürt einem schon echt den Hals ab und der Körper ist ziemlich platt. Nun ging es per Transfershuttle zu unserem Hotel. Dort war schon das erste Highlight. Der Transferservice wollte gern 10 € Trinkgeld haben. Hut ab, für 10 Minuten Fahrt, das ist ja mal ein ordentlicher Zusatzstundenlohn. Ein Job der sich also lohnt.

Im Hotel angekommen, brachte man uns freundlicherweise auch das Gepäck aufs Zimmer. Natürlich nicht ohne Trinkgeldwunsch. Das Zimmer sollte dem Stil des osmanischen Reiches nachempfunden sein und eine Whirpool im Bad haben. Der erste Eindruck war aber eher, dass ich mich in einem dunklen Folterkeller aus dem Mittelalter befand, ziemlich dunkel und ein riesiger Metallkronleuchter.

Hotelzimmer

Ok, daran muss man sich halt gewöhnen. Es soll ja Leute geben, die das mögen. Der versprochene Whirpool war auch ganz wunderbar. Der Platz reichte gerade mal für eine Quietscheente. Nicht dass man bei der Hitze unbedingt baden muss, aber getestet habe ich ihn trotzdem. Mal abgesehen von der abenteuerlichen Technik (bei Wassernähe ein nicht geschützter Schalter, der aussieht wie ne Klingel) durfte man auf keine Fall irgendein Körperteil in die Nähe der Düsen bewegen, denn dann stand das Bad unter Wasser. Es war übrigens verboten, Getränke mit aufs Zimmer zu nehmen, denn man sollte doch bitte schön immer die überteuerte Minibar ansteuern. Das hätte sich summiert, da man bei den Temperaturen ständig Nachschub braucht. Klar doch und wer sich daran hält ist selber schuld. Der Fernseher kippte fast von der Halterung, da man ihn mit zwei dünnen Schrauben provisorisch daran festmachte. Das Problem wurde nur müde belächelt. Am Abend sind wir dann zum Pier gelaufen und es gab keine einzige Straße, in der nicht hunderte von Händlern dich beknieten, bequatschten und dir hinterherriefen doch irgendwelchen Nippes zu kaufen. Ziemlich anstrengend. Man ist irgendwie permanent auf der Flucht. Der erste entspannende Moment war ein Becks auf der Piermauer

Das Automieten ging auch nur schwierig. In der Hauptsaison gibt’s da kaum noch welche. Die Mietservices wollen dir dann irgendwas andrehen, von ihren Verwandten. Man müsse es nur noch vorher reparieren, dann würde das Auto auch fahren. Ein wenig gruselig ist das schon, da ich mir da nicht ganz sicher bin, ob das mit dem Reparieren dann auch alles so passt. Schlussendlich haben wir dann einen Wagen bekommen, der ganz gut in Schuss war. Wer hätte übrigens gedacht, dass der Sprit in der Türkei teurer ist als bei uns. Da zieht es dir die Schuhe aus.Mit dem Auto konnten wir nun endlich raus aus dem Touristengebiet und uns das Land ansehen. Da kam auch schon der nächste Hammer. Für alle „Sehenswürdigkeiten“ bezahlt man oft sehr viel Geld. Ne umgekippte Säule, die ein Grieche mal da hingestellt haben soll, kostetet dann bei Betrachtungswusch schnell mal 10€. Wenn man dann noch mal dahinter einen Restbestand einer Mauer sehen möchte zahlt man noch mal 15€. Wer dann noch auf die Idee kommt in einer Wasserpfütze zu baden, der zahlt dann noch mal 10€. Also Geld bin ich gut losgeworden, auch wenn ich auf einiges verzichtet habe, weil ich es echt nicht einsehe. An jeder noch so kleine Sehenswürdigkeit wurden hunderte von Verkaufsständen errichtet, um Nippes zu vertreiben. Der wunderschönste Wasserfall in einer tollen Naturkulisse wurde zum Disneyland und ner Shopping-Mall umfunktioniert. So viel zum Thema Entspannung.

Irgendwie hatte man auch ständig das Gefühl, dass die Leute die im Tourismusbereich arbeiten Touristen echt nicht mögen. Ok, ich mag sie ja auch nicht immer und war in diesem Fall dann auch noch selber einer, aber irgendwie fühlte man sich ständig bedrängt, genötigt und auf der Flucht. Wir sind kaum aus dem Auto gestiegen, da wollte man uns doch dringend einen Reiseführer, eine neues Hotel und einen persönlichen Guide verkaufen. Ich dachte schon, dass ist heftig und schlimmer geht’s nicht mehr. Geht’s doch! Mitten auf der Kreuzung im Stadtverkehr zur rush hour klopft der Mofafahrer an die Fensterscheibe und will einem irgendwas vertickern. Ich war echt geschafft davon.

Nun dachten wir uns, ok am Strand kann ja nix schief gehen. Und ob! Die Strände wurden ununterbrochen sehr laut mit Technobeat beschallt und man kam sich vor wie in der Disco. Ganz großes Kino. Wenn es wenigstens mal was Rockiges gewesen wäre, wäre ich ja noch zur Entspannung gekommen, aber so geht’s natürlich nur schwer. Es war so laut, dass einem der Kopf bald platzte. Wenigstens hatte ich nen MP3 Player mit und konnte somit selbst bestimmen mit welcher Musik ich das Meeresrauschen übertöne.

Als ich dann am Abend auch noch fast hungrig ins Bett musste, da es irgendwie nix richtiges zu essen gab (viel Lamm, was natürlich landestypisch ist – aber man muss es halt mögen), dachte ich mir, man ich brauche nun bald Urlaub vom Urlaub. Das ist mir noch nie so gegangen und ich war vor Jahren schon mal in der Türkei, allerdings in den Nördlichen Ägäis. Und dort habe ich die Türkei ganz anders erlebt. Wunderbare Natur, ganz tolle historische Schätze, wandernde Beduinenvölker, überall Olivenhaine, tolle kleine Städtchen und wirklich so liebenswerte Menschen. In den Nördlichen Ägäis machen die Türken selber auch gern Urlaub und das kann ich verstehen, denn es hat Erholungseffekt.

Da man ja von Reisen den Daheimgebliebenen etwas mitbringt, habe ich Euch einen der wenigen schönen Momente eingepackt und stelle ihn Euch hier rein. Da isser:

 

Nun gut, wir haben das Beste daraus gemacht und mit etwas Galgenhumor und ab und an mal nem Bierchen am Pier die Zeit rumbekommen. Zum Glück haben wir auch noch zwei, drei Tage ein paar ruhige Strände gefunden und ein paar Fleckchen Natur, die nicht total überlaufen waren. Einen Vorwurf kann man sicher niemandem machen, außer ich mir vielleicht selbst. Es war wohl doch naiv, zu glauben, dass man dem Touristikwahn entkommen kann, wenn man ein paar Kilometer mit dem Auto fährt. Letztendlich kann ich sagen, zu Hause ist es doch am schönsten 🙂

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2 Antworten to “Urlaub – die schönste Zeit des Jahres und dann kam alles anders …”

  1. itodito August 1, 2010 um 10:41 pm #

    Oje, da hast Du aber echt eine Schlimme Zeit gehabt…und sowas nennt sich nun Urlaub!

    Witzig ist, das Du uns das Meeresrauschen so präsentierst wie DU es erlebt hast… (Mit Mp3 Musik-Beschallung)

    Like Ice in the Sunshine… *sing*

    Jetzt erhole Dich erstmal von der Erholung…

    • Stefanie August 1, 2010 um 10:57 pm #

      Um so mehr freut man sich auf zu Hause. Hat doch auch was für sich. Stimmt, am Strand habe ich auch Songs dieser Band (The Boss Hoss) gehört. Die entspannen mich immer.

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