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Brauchen wir überhaupt einen Doktortitel?

22 Sep

Wie versprochen, möchte ich ein paar kurze Eindrücke zur Tagung liefern. Ich könnte an dieser Stelle sicherlich viel erzählen, worüber wie diskutiert wurde, doch es blieb mir ein letzter Kommentar der Podiumsdiskussion im Kopf, der einen Nerv getroffen hat und den ich so nicht erwartet habe. Nach langem Hin und Her, über die Zukunft, den Nutzen und die Qualität sowie die Gestaltung der Promotion kam der letzte Kommentar von einem sehr renommierten Professor:

Brauchen wir überhaupt einen Doktortitel? Was wir brauchen, sind Leute die das können, was die Stellenanforderung beinhaltet.“

 

Spannend war der Kommentar deshalb, weil er a) von einem Professor kam, der diesem Stand ja selbst angehört und b) wenn man den Gedanken zu Ende spinnt, die Realisierung des Kommentars die akademische Existenzgrundlage auf Basis von Titeln mit einem Schlag vernichtet wäre. Weiterlesen

Tagung zu den Problemfeldern der kooperativen Promotion

12 Sep

Montag und Dienstag (13./14.09.2010) findet am Internationalen Hochschulinstitut (IHI) Zittau  eine Tagung zum Thema „Problemfelder der kooperativen Promotion“ statt. Es sollen dabei die unterschiedlichen Promotionsmodelle und deren Qualität zur Diskussion gestellt werden. Seit geraumer Zeit wird ja diskutiert, auch Fachhochschulen das Promotionsrecht einzuräumen. Bisher blieb aber den Fachhochschulen das Promotionsrecht versagt. Ein Weg auch als Absolvent einer Fachhochschule zu promovieren, ist das sogenannte kooperative Promotionsverfahren. Meist sind diese Verfahren dadurch gekennzeichnet, dass der Doktorand durch die Zusammenarbeit mit Professoren einer universitären Einrichtung und Professoren der Fachhochschule den Weg der Promotion beschreitet. Dabei liegt der Hauptverantwortungsbereich bei der universitären Einrichtung. Es gibt hier sehr unterschiedliche Modelle, wie dies gehandhabt wird. Häufig unterzieht sich der Doktorand weiteren Prüfungen oder einem Doktorandenstudium, um vertiefte Kenntnisse im wissenschaftlichen Arbeiten zu erlangen.

Zur Tagung werden drei Workshops zu folgenden Themen angeboten:

1. Ko­ope­ra­tive Pro­mo­tion als neue Her­aus­for­de­rung

2. Pro­mo­ti­ons­be­treu­ung

3. Ver­wer­tungs­op­tio­nen in Wissenschafts-Wirtschafts-kooperationen im Zit­tauer Mo­dell

Wir Doktoranden des IHi Zittau werden dann im Rahmen einer Posterpräsentation unser Promotionsthema vorstellen. Hier ein kleiner Einblick in mein Thema (aber ohne „Vortrag“ von mir 😉 ).

Auch ich habe als Doktorandin am IHI Zittau das Doktorandenstudium durchlaufen und werde hoffentlich in absehbarer Zeit meine Promotion erfolgreich abschließen. Da das Modell der kooperativen Promotion noch recht jung ist, entwickelt es sich auch stetig weiter und wird kontinuierlich verbessert. Über die Jahre habe ich so einige Entwicklungen miterlebt und es ist eine gute Sache, wenn man selbst aktiv den Prozess mitgestalten kann. Ich bin sehr gespannt, auf die Diskussionsbeiträge und den Erfahrungsaustausch mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft zu diesem Thema. Für nähere Infos zu Referenden und Themen bitte hier klicken: http://www.ihi-zittau.de/ZittauerModell2010/

 

 

Der Weg ist das Ziel

13 Jul
Der Weg

Fotografen: Claudia und Ralf Küppers; Quelle: pixelio.de

Heute habe ich mal wieder einer „Verteidigung“ eines Dissertationsprojektes einer Freundin beigewohnt. Das ist dann quasi fast die letzte Hürde, die dem Promovenden bevorsteht, um den Grad des Doktors zu erlangen. Irgendwie ist das schon verrückt. Nun bin ich schon ein paar Jahre selbst dabei und man betrachtet solche Veranstaltungen auch immer vor dem Hintergrund, dass man eines Tages (hoffentlich) selbst dort steht. Die Aufregung und die Angespanntheit ist den Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern anzusehen. Es geht eine arbeitsintensive, erlebnisreiche und prägende Zeit damit zu ende. Und dann…

Ich fragte auch diesmal „Und wie fühlst Du Dich?“. Antwort: “ Mhh…normal, war nicht so aufgeregt. Wenn Du erst mal zwei Kinder hast, dann ist das alles anders.“ Einige sagten, dass nachher eine Leere eintritt. Das kann ich gut nachvollziehen. Man arbeitet manchmal auch wie besessen auf ein Ziel hin und dann, wenn man es erreicht hat… Was kommt dann? Es hat vorher so viel Platz in deinem Leben eingenommen und nun?

Ich glaube, dass es wichtig ist, wenn man ein Ziel ganz fest vor Augen hat und es mit Nachdruck verfolgt, dass man dabei das Leben nicht vergisst. Die Arbeit soll auch Spaß machen und bereits auf dem Weg zum Ziel wenigstens manchmal ein gutes Gefühl bereiten, denn irgendwie kann das Gefühl bei der Überquerung der Zielgerade oft nicht dem standhalten, was man erhofft hatte. Die Aussage, dass ihre zwei Kinder da so einiges im Kopf verändert haben, finde ich wirklich positiv. Ich habe zwar selbst keine Kinder, aber ich weiß nur zu gut, dass es oft kontraproduktiv ist, wenn man sich selbst total vergisst.

Die Relationen können so leicht verschwimmen und manche Konsequenzen sind weitreichender als man denkt. Es heißt nicht, dass man sich nicht mit Leidenschaft und verstärkten Prioritäten auf Dinge einlassen sollte. Man sollte aber den Blick für das Wesentliche nicht verlieren. Das Leben ist zu kurz, um nach Jahren der Selbstaufgabe zu merken, dass es nicht nur das eine wichtige Ziel gibt. Diese Erfahrung musste ich doch schon oft machen und arbeite nun daran, manche Dinge mit dem nötigen Abstand zu betrachten. Alles geht mal vorbei und wenn man am Ende nicht sagen kann, es war schön den Weg zu gehen und es womöglich keine neuen Ziele oder andere wichtige Dinge gibt, dann wird es am Ende des Weges finster.

Mit gekauftem Doktortitel zu mehr Ansehen?

25 Aug

maennchen_doktorhut

Wie erst kürzlich durch alle Medien ging, besteht gegen mehrere Professoren der Verdacht, dass sie Doktortitel gegen Geld vergeben haben sollen. Der Erwerb von Titeln durch Geld ist ja im Grunde nichts Neues. Mit dem nötigen Kleingeld kann man durchaus Baron, Prinz und natürlich auch Akademiker werden. Die Problematik bei erworbenen Doktortiteln dabei liegt in mindestens zwei Bereichen. Erstens wird der ehrlich erworbene Titel verwässert und diejenigen, welche sich durch viel harte Arbeit zu diesem Titel verholfen haben, werden damit verhöhnt. Doch worin besteht eigentlich der Output einer Doktorarbeit?

1. Wissenschaftlicher Beitrag zur Bewältigung von relevanten und
     ungeklärten Fragestellungen
2. Diskursförderung in der Praxis und der Wissenschaft
3. Nachweis der Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten des Doktoranden

Die Wissenschaft also ist die eine Seite. Einfach gedacht, könnte ein Jeder denken und was kümmert‘s mich? Es ist im Grunde ein Betrug der Gesellschaft. Denn ohne echte Forschung, sind viele Bereiche in einer  stagnierenden Position. Denken wir nur an die Medizin, so wird einem schnell klar, dass hier Forschung Leben retten kann. Und das betrifft alle von uns. Was passiert aber mit dem Doktoranden als Person? Eine Doktorarbeit ist auch immer ein Stück Persönlichkeitsentwicklung. Das eigenständige Forschen und der Prozess der Forschung prägt eine Person. Viele Diskurse mit Fachpublikum, so manche Niederlagen und oft nur kleine Erfolge in einem langwierigen Prozess sowie der wissenschaftliche Umgang mit Problemen ist eine echte Herausforderung. Die Zeit der Doktorarbeit ist häufig mit Entbehrungen verbunden. Wichtig dabei ist es, nicht den Titel als Egopolitur zu betrachten. Man muss einerseits echtes Interesse am Forschen haben und andererseits auch einer Weiterentwicklung der Persönlichkeit positiv gegenüber stehen. So ein Titel sollte nie über die Persönlichkeit gestellt werden. Wenn Respekt, Achtung und Anerkennung nur durch Titel erwirkt werden können, dann sollte man sich dringend überlegen, wo die Ursache dafür liegt und wie nachhaltig diese Form der Anerkennung wirklich ist. Etwas was mich schon immer beeindruckt hat, sind Menschen die Titel haben und ihn aber nicht als Aushängeschild oder zur Machtausübung verwenden. Bis heute empfinde ich den Umgang einer Freundin mit ihrem wirklich sehr hart und äußerst erfolgreich erarbeiteten Doktortitel als vorbildlich. Sie ist und bleibt ein  sehr liebenswerter und hilfsbereiter Mensch, ob nun mit oder ohne Titel. Da sie selbst weiß, wie schwierig die Arbeit sein kann, plädiert sie immer dafür zu unterstützen und Wissen zu teilen. Dies praktiziert sie auch. In Ihrem Kopf scheint es keine Hierarchien zu geben. In ihrem Wirken ist stets Reflektion und Kompetenz zu erkennen. All das kann ich sehen, ohne ihre Urkunde vor der Nase zu haben. Wahre Größe ist also kein Blatt Papier, sondern innere Arbeit an der Persönlichkeit und dem Geist. Sicher haben nicht alle Menschen diese idealistische Einstellung, aber ein klein wenig davon könnte nicht schaden, denn sie ist  die Voraussetzung für echten Fortschritt.

Links: Focus, Frankfurter Rundschau