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Mit gekauftem Doktortitel zu mehr Ansehen?

25 Aug

maennchen_doktorhut

Wie erst kürzlich durch alle Medien ging, besteht gegen mehrere Professoren der Verdacht, dass sie Doktortitel gegen Geld vergeben haben sollen. Der Erwerb von Titeln durch Geld ist ja im Grunde nichts Neues. Mit dem nötigen Kleingeld kann man durchaus Baron, Prinz und natürlich auch Akademiker werden. Die Problematik bei erworbenen Doktortiteln dabei liegt in mindestens zwei Bereichen. Erstens wird der ehrlich erworbene Titel verwässert und diejenigen, welche sich durch viel harte Arbeit zu diesem Titel verholfen haben, werden damit verhöhnt. Doch worin besteht eigentlich der Output einer Doktorarbeit?

1. Wissenschaftlicher Beitrag zur Bewältigung von relevanten und
     ungeklärten Fragestellungen
2. Diskursförderung in der Praxis und der Wissenschaft
3. Nachweis der Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten des Doktoranden

Die Wissenschaft also ist die eine Seite. Einfach gedacht, könnte ein Jeder denken und was kümmert‘s mich? Es ist im Grunde ein Betrug der Gesellschaft. Denn ohne echte Forschung, sind viele Bereiche in einer  stagnierenden Position. Denken wir nur an die Medizin, so wird einem schnell klar, dass hier Forschung Leben retten kann. Und das betrifft alle von uns. Was passiert aber mit dem Doktoranden als Person? Eine Doktorarbeit ist auch immer ein Stück Persönlichkeitsentwicklung. Das eigenständige Forschen und der Prozess der Forschung prägt eine Person. Viele Diskurse mit Fachpublikum, so manche Niederlagen und oft nur kleine Erfolge in einem langwierigen Prozess sowie der wissenschaftliche Umgang mit Problemen ist eine echte Herausforderung. Die Zeit der Doktorarbeit ist häufig mit Entbehrungen verbunden. Wichtig dabei ist es, nicht den Titel als Egopolitur zu betrachten. Man muss einerseits echtes Interesse am Forschen haben und andererseits auch einer Weiterentwicklung der Persönlichkeit positiv gegenüber stehen. So ein Titel sollte nie über die Persönlichkeit gestellt werden. Wenn Respekt, Achtung und Anerkennung nur durch Titel erwirkt werden können, dann sollte man sich dringend überlegen, wo die Ursache dafür liegt und wie nachhaltig diese Form der Anerkennung wirklich ist. Etwas was mich schon immer beeindruckt hat, sind Menschen die Titel haben und ihn aber nicht als Aushängeschild oder zur Machtausübung verwenden. Bis heute empfinde ich den Umgang einer Freundin mit ihrem wirklich sehr hart und äußerst erfolgreich erarbeiteten Doktortitel als vorbildlich. Sie ist und bleibt ein  sehr liebenswerter und hilfsbereiter Mensch, ob nun mit oder ohne Titel. Da sie selbst weiß, wie schwierig die Arbeit sein kann, plädiert sie immer dafür zu unterstützen und Wissen zu teilen. Dies praktiziert sie auch. In Ihrem Kopf scheint es keine Hierarchien zu geben. In ihrem Wirken ist stets Reflektion und Kompetenz zu erkennen. All das kann ich sehen, ohne ihre Urkunde vor der Nase zu haben. Wahre Größe ist also kein Blatt Papier, sondern innere Arbeit an der Persönlichkeit und dem Geist. Sicher haben nicht alle Menschen diese idealistische Einstellung, aber ein klein wenig davon könnte nicht schaden, denn sie ist  die Voraussetzung für echten Fortschritt.

Links: Focus, Frankfurter Rundschau