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Der Weg ist das Ziel

13 Jul
Der Weg

Fotografen: Claudia und Ralf Küppers; Quelle: pixelio.de

Heute habe ich mal wieder einer „Verteidigung“ eines Dissertationsprojektes einer Freundin beigewohnt. Das ist dann quasi fast die letzte Hürde, die dem Promovenden bevorsteht, um den Grad des Doktors zu erlangen. Irgendwie ist das schon verrückt. Nun bin ich schon ein paar Jahre selbst dabei und man betrachtet solche Veranstaltungen auch immer vor dem Hintergrund, dass man eines Tages (hoffentlich) selbst dort steht. Die Aufregung und die Angespanntheit ist den Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern anzusehen. Es geht eine arbeitsintensive, erlebnisreiche und prägende Zeit damit zu ende. Und dann…

Ich fragte auch diesmal „Und wie fühlst Du Dich?“. Antwort: “ Mhh…normal, war nicht so aufgeregt. Wenn Du erst mal zwei Kinder hast, dann ist das alles anders.“ Einige sagten, dass nachher eine Leere eintritt. Das kann ich gut nachvollziehen. Man arbeitet manchmal auch wie besessen auf ein Ziel hin und dann, wenn man es erreicht hat… Was kommt dann? Es hat vorher so viel Platz in deinem Leben eingenommen und nun?

Ich glaube, dass es wichtig ist, wenn man ein Ziel ganz fest vor Augen hat und es mit Nachdruck verfolgt, dass man dabei das Leben nicht vergisst. Die Arbeit soll auch Spaß machen und bereits auf dem Weg zum Ziel wenigstens manchmal ein gutes Gefühl bereiten, denn irgendwie kann das Gefühl bei der Überquerung der Zielgerade oft nicht dem standhalten, was man erhofft hatte. Die Aussage, dass ihre zwei Kinder da so einiges im Kopf verändert haben, finde ich wirklich positiv. Ich habe zwar selbst keine Kinder, aber ich weiß nur zu gut, dass es oft kontraproduktiv ist, wenn man sich selbst total vergisst.

Die Relationen können so leicht verschwimmen und manche Konsequenzen sind weitreichender als man denkt. Es heißt nicht, dass man sich nicht mit Leidenschaft und verstärkten Prioritäten auf Dinge einlassen sollte. Man sollte aber den Blick für das Wesentliche nicht verlieren. Das Leben ist zu kurz, um nach Jahren der Selbstaufgabe zu merken, dass es nicht nur das eine wichtige Ziel gibt. Diese Erfahrung musste ich doch schon oft machen und arbeite nun daran, manche Dinge mit dem nötigen Abstand zu betrachten. Alles geht mal vorbei und wenn man am Ende nicht sagen kann, es war schön den Weg zu gehen und es womöglich keine neuen Ziele oder andere wichtige Dinge gibt, dann wird es am Ende des Weges finster.